Wissenzone: blog
In unseren Texten geben wir unsere Erfahrungen aus vielen Branding-Projekten aus ganz unterschiedlichen Branchen weiter. Es lohnt sich, sie zu lesen, denn jeder kann etwas für sich darin finden.
Markennamen – was ist wirklich merkenswert?
Ein guter Name ist mehr als nur ein ästhetisches Element. Er ist die Essenz des Markenversprechens. Er sollte nicht nur gut klingen, sondern vor allem den richtigen Kontext schaffen: eine Kategorie, ein Qualitätsniveau und eine Markenpersönlichkeit suggerieren. Im Idealfall fördert er den Umsatz, da er die Erinnerung erleichtert, Assoziationen schafft und ein schnelleres Verständnis der Marke ermöglicht. Im schlimmsten Fall erschwert er die Kommunikation, erfordert ständige Anpassungen und wird bei der Expansion zur Belastung.
Genau deshalb ist die Namensgebung in entscheidenden Momenten der Unternehmensentwicklung so wichtig: beim Eintritt in einen neuen Markt, beim Rebranding, bei der Änderung des Geschäftsmodells, bei der Erweiterung des Angebots oder beim Aufbau einer Marke mit internationalen Ambitionen.
Ein Name entsteht nicht aus einem Wort. Er entsteht aus einer Strategie.
Der häufigste Fehler? Mit einem Namens-Brainstorming zu beginnen. Professionelle Namensfindung beginnt viel früher – mit der Beantwortung der Frage, wofür die Marke im Bewusstsein des Empfängers stehen soll, also mit der Markenpositionierung.
Was sollten Sie bei der Erstellung der Positionierung und eines Briefings (d. h. der Richtlinien) für einen Namen beachten?
Die Namensfindung für eine Premiummarke unterscheidet sich von der für ein Fintech-Unternehmen, ein Bildungs-Startup oder einen Industriehersteller, der Stabilität, Kompetenz und Glaubwürdigkeit vermitteln soll. Ausgangspunkt sollte daher eine präzise Definition der Markenpositionierung sein: Womit soll die Marke assoziiert werden? Welche Persönlichkeit soll sie haben (z. B. selbstbewusst, kompetent, traditionell oder modern)? Und wen soll sie ansprechen? Die Zielgruppe – ihre Offenheit, ihre Sprache, kulturelle Codes und ihre Einstellung zu englischen Ausdrücken und Fachjargon.
Der Wettbewerbskontext ist entscheidend: Welche Namensmuster dominieren in einer bestimmten Kategorie? Ist es besser, sich anzupassen oder bewusst damit zu brechen, um sich besser abzuheben?
Viele Branchen leiden unter sich wiederholenden Mustern. Die Technologiebranche liebt das Wort „Tech“, der medizinische Sektor verwendet inflationär Begriffe wie „Med“, „Dent“ und „Opt“, und manche Industrieunternehmen verfallen immer noch in technische Kategorien, die sich niemand merken kann. Daher ist es entscheidend, nicht nur festzulegen, was man sucht, sondern auch, was man vermeiden möchte. Das spart Zeit, schützt vor Doppelungen und ermöglicht es, einen Namen zu schaffen, der sich wirklich von der Konkurrenz abhebt.
Nicht jeder Name ist gleich
Es gibt keine allgemeingültige Formel für die Namensgebung. Vielmehr gibt es verschiedene Arten von Namen und unterschiedliche Aufgaben, die sie erfüllen sollen.
Beschreibende Namen sind am leichtesten verständlich. Sie vermitteln schnell ein Verständnis der Produktkategorie, bieten aber meist weniger Differenzierung und sind schwieriger effektiv zu schützen. Der Name „KredytyOnline“ beispielsweise vermittelt sofort, was die Marke tut, erzeugt aber kaum Emotionen oder Einzigartigkeit.
Aussagekräftige und assoziative Namen sind deutlich interessanter, da sie die beste Balance zwischen Bedeutung und Einzigartigkeit bieten. Deshalb funktionieren Marken wie Booksy und Brainly so gut. In beiden Fällen deutet der Name auf den Tätigkeitsbereich hin, ohne die Marke auf eine enge Beschreibung zu beschränken. Booksy klingt nicht wie eine funktionale Bezeichnung für ein Reservierungssystem, sondern wie eine Marke: unkompliziert, modern, digital und leicht auf andere Märkte übertragbar. Brainly hingegen hat einen Namen geschaffen, der semantisch intelligent, phonetisch einfach und breit genug ist, um weit über seinen lokalen Kontext hinaus zu wirken.
Neologismen funktionieren auch – oft am besten in Bezug auf Einzigartigkeit, erfordern aber einen größeren Aufwand in der Kommunikation, wie etwa Spotify oder Xerox, die heute selbstverständlich erscheinen, aber erst ihren Bekanntheitsgrad aufbauen mussten.
Eine weitere Möglichkeit, einen Namen zu kreieren, besteht in der Verwendung von Akronymen, die neutral und geschäftsmäßig klingen – wie IBM oder HSBC, die aber in der Regel weniger effektiv darin sind, eine emotionale Bindung herzustellen als sprachlich aussagekräftigere Namen.
Im Gegenzug bieten Gründermarken Authentizität und Glaubwürdigkeit, gute Beispiele hierfür sind Ford und Wedel.
Geographische Namen tauchen ebenfalls häufig auf – sie sind stark auf den Ort bezogen und tief in der Herkunft verwurzelt, wie zum Beispiel Żywiec, Okocim, Nałęczowianka.
Der Name sollte hervorstechen
Ein guter Name sollte innerhalb seiner Kategorie einzigartig sein. Er sollte Wettbewerber nicht verwirren oder wie eine weitere Variante branchenüblicher Begriffe klingen. Er sollte die richtigen Assoziationen wecken – idealerweise solche, die mit der Markenidentität übereinstimmen. Er sollte erweiterbar sein, d. h. für Submarken, neue Dienstleistungen und Portfolioerweiterungen geeignet sein. Schließlich muss er frei von negativen Assoziationen, Slang, Abkürzungen und kulturellen Missverständnissen sein.
Eine der bekanntesten Marken in Polen und Europa ist OSRAM. Historisch gesehen ist die Marke ein deutsches Technologieunternehmen, gegründet 1906 in Berlin. Sie wurde von der Auer-Gesellschaft registriert, und ihr Name leitet sich von den beiden Metallen Osmium und Wolfram ab, die in der Glühfadenherstellung verwendet wurden. Das Unternehmen mit Hauptsitz in München ist einer der größten Leuchtenhersteller der Welt.
Aus Sicht polnischer Verbraucher hat der Begriff eine äußerst negative Konnotation. Die Marke hat sich zwar durch Größe, konsequentes Marketing, Qualität und Tradition behauptet, doch lässt sich dieser Fall kaum als Vorbild für eine gute Marke mit globaler Reichweite betrachten. Eine gute Marke mit internationaler Reichweite wird in jeder Kultur und in jedem Land positiv wahrgenommen (ohne negative oder absurde Assoziationen).
Drutex stellt ein ähnliches, wenn auch anderes Problem dar. Der Name ist tief in der Firmengeschichte verwurzelt, spiegelt aber nicht mehr die heutige Größe und die Ambitionen einer Marke wider, die sich längst von einem reinen Zaunhersteller emanzipiert hat. Daraus lässt sich eine wichtige Lehre ziehen: Ein Name kann anfangs gut sein, doch mit der Zeit kann er die aktuelle Positionierung nicht mehr unterstützen und sogar das Wachstum behindern.
Ein guter Name ist leicht zu merken, klingt gut, sieht gut aus, muss nicht jedes Mal neu geschrieben werden und lässt sich problemlos über verschiedene Kanäle verwenden: Audio, soziale Medien, Apps, Websites, Verkaufspräsentationen und Beschilderungen.
Genau deshalb sind Einprägsamkeit und phonetischer Rhythmus so wichtig. Die besten Namen sind kurz oder zumindest prägnant, leicht zu wiederholen und intuitiv nach dem Prinzip „hören und schreiben“. Wenn ein Kunde nach dem Hören nicht weiß, wie man einen Namen buchstabiert, gibt es ein Problem.
Die Namensbewertung muss über die polnische Sprache hinausgehen. Es gilt, auf Homonyme, mögliche Mehrdeutigkeiten, unintuitive Akzentuierungen, schwierige Konsonantenverbindungen, problematische Abkürzungen, Slang-Assoziationen und kulturelle Kontexte zu achten.
Der Prozess der Namensfindung sollte rigoros und nicht romantisch sein
Die besten Namen entstehen selten aus einem Geistesblitz. Sie sind meist das Ergebnis eines Prozesses.
Zuerst folgt ein strategisches Briefing mit Definition der Kriterien. Dann eine Analyse des Wettbewerbs und der dominanten Codes in der jeweiligen Kategorie. Anschließend werden verschiedene Richtungen entwickelt: beschreibende, metaphorische, nutzenorientierte Namen, Wortcluster, Neologismen, Namen, die von semantischen Wurzeln oder phonetischen Strukturen abgeleitet sind. Noch bevor erste Konzepte präsentiert werden, muss die Verfügbarkeit der Domain geprüft werden.
Die Domain-Frage sollte parallel zum Namensfindungsprozess analysiert werden, nicht erst nach der Auswahl des Namens. In der Praxis verliert ein guter Name, für den keine passende Domain verfügbar ist, schnell an geschäftlichem und kommunikativem Wert. Hat eine Marke globale Ambitionen, lohnt es sich, von Anfang an nicht nur die primäre Root-Domain (in der Regel mit der Endung .com) zu sichern, sondern auch die wichtigsten strategischen Varianten und defensiven Domains. Dies reduziert das Risiko von Markenpiraterie, Traffic-Hijacking oder der Nutzung ähnlicher Adressen durch Wettbewerber oder Domain-Broker.
Für Marken, die in mehreren internationalen Märkten tätig sind, ist der Kauf wichtiger länderspezifischer Domains wie .de, .fr, .it, .es oder .co.uk ebenfalls ein sinnvoller Standard, insbesondere wenn das Unternehmen lokale Marketing-, Vertriebs- oder SEO-Aktivitäten plant. Eine lokale oder regionale Marke hingegen muss nicht unbedingt in ein großes Domainportfolio investieren. Wenn sie in einem einzigen Markt aktiv ist und Wettbewerber nicht aggressiv ähnliche Domains sichern, genügt oft eine einzige, gut gewählte Domain, die zum Geschäftsmodell und Projektumfang passt.
Auch die Domainendung selbst ist wichtig: Für kommerzielle Projekte sind .com oder eine lokale länderspezifische Top-Level-Domain (ccTLD) oft die naheliegende Wahl, für gemeinnützige Organisationen und soziale Initiativen kann .org eine logische Option sein, und für Bildungs- oder institutionelle Projekte lohnt es sich, Domainendungen in Betracht zu ziehen, um zusätzliche Glaubwürdigkeit aufzubauen. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Domain leicht zu merken, intuitiv zu schreiben, so kurz wie möglich und mit dem Markennamen konsistent ist – ohne Bindestriche, willkürliche Abkürzungen und unnötige Komplikationen, die Verwechslungsgefahr erhöhen und den Wiedererkennungswert schwächen.
Im nächsten Schritt erfolgt die Namensauswahl (in der Regel sollten für die erste Bewertung 5 bis 8 Namen in Betracht gezogen werden). Die Auswahl sollte auf klar definierten Kriterien basieren, die in Zusammenarbeit mit den Markeninhabern festgelegt werden. Nach der ersten Entscheidung empfiehlt es sich, Domains schnell (am besten noch am selben Tag) zu registrieren, da Googles Bots das wachsende Interesse an einem bestimmten Namen erkennen und diesen automatisch sichern können.
Nach der ersten Auswahl sollten die 2–3 vielversprechendsten Vorschläge nicht nur intern, sondern auch mit Mitgliedern der Zielgruppe getestet werden. Dieser Test sollte vor allem die ersten Assoziationen, die Aussprache und Schreibweise, das Verständnis der Produktkategorie und die korrekte Vermittlung der gewünschten Markeneigenschaften bewerten. Es empfiehlt sich, den Befragten eine kurze Beschreibung der Branche, des Produkts oder der gewünschten Markenidentität zu präsentieren und anschließend zu vergleichen, welcher Name die relevanten Bedeutungen am besten vermittelt und das größte Erinnerungspotenzial aufweist.
Parallel zum Marketingtest ist eine rechtliche Prüfung erforderlich, d. h. es muss geprüft werden, ob der gewählte Name als Marke eingetragen werden kann und ob er mit bestehenden Rechten kollidiert. In der Praxis ist es ratsam, mit nationalen und internationalen Datenbanken zu beginnen: der e-Suchmaschine des polnischen Patentamts für Polen, eSearch plus und TMview des EUIPO für den EU-Markt sowie der WIPO Global Brand Database für internationale Anmeldungen. Bei einer geplanten Markteinführung in den USA ist auch die Datenbank des USPTO zu konsultieren. Eine solche Analyse sollte nicht nur identische Namen, sondern auch visuell, phonetisch und semantisch ähnliche Namen umfassen, insbesondere in den Waren- und Dienstleistungsklassen, in denen die Marke tatsächlich tätig sein wird.
Die effektivsten Markennamen erzielen Wettbewerbsvorteile nicht durch visuelle Attraktivität oder kreative Gestaltung, sondern durch präzise Ausrichtung auf strategische Ziele. Ihre Stärke beruht auf Relevanz – ihrer Fähigkeit, die wichtigsten Attribute und Werte, die die Markenidentität prägen, klar im Bewusstsein der Zielgruppe zu verankern.
Ein wirkungsvoller Name sollte die richtigen Assoziationen innerhalb einer definierten Zielgruppe wecken und gleichzeitig mit der Kommunikationsarchitektur und dem Markenidentitätssystem konsistent sein. Bereits beim ersten Kontakt ist eine klare Branchenzugehörigkeit entscheidend (insbesondere für funktionale Marken wie Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen), da sie die kognitive Barriere senkt und die Kategorisierung erleichtert.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist die Zugänglichkeit und Einzigartigkeit im digitalen Umfeld – dazu gehört auch eine geeignete und schutzfähige Internetdomain, die die Wiedererkennung und Differenzierung vom Wettbewerb fördert.
Folglich sollte die Namensfindung als strategische Entscheidung betrachtet werden, basierend auf einer fundierten Marktanalyse unter Berücksichtigung des kulturellen Kontexts, der digitalen Kommunikationsbedingungen und einer sorgfältigen rechtlichen Prüfung. Sie ist kein nachrangiger Schritt im Vergleich zum visuellen Identitätsdesign, sondern vielmehr eine der wichtigsten Grundlagen für den Aufbau eines kohärenten und nachhaltigen Markensystems.
HABEN SIE EINE VISION, DIE SIE VERWIRKLICHEN MÖCHTEN?
Kontaktieren Sie uns und wir helfen Ihnen beim Aufbau einer Marke, die den Markt erobern wird.